Wenn man von Innsbruck auf der Autobahn Richtung Telfs fährt kommt man auf Höhe Zirl an einem Steingebäude vorbei, rechter Hand gelegen und direkt unterhalb der Martinswand… das ist Martinsbühel bzw. Burg Martinsbühel.

Ich bin schon so oft daran vorbei gefahren, wusste nicht was das ist, sah aber wirklich sehr interessant und spannend aus. An Pfingsten sind Sabrina und ich dann einfach mal hinspaziert und was soll ich sagen… der Ort ist genau so interessant wie vermutet! Die folgenden Bilder sind eher dokumentarisch und weniger fototechnisch anspruchsvoll und ich erlaube mir viel aus Wikipedia über diesen Ort „abzukupfern“… den Original-Wikipedia-Eintrag findet Ihr hier.

Wir sind von Zirl kommend am Nordufer des Inn entlang Richtung Innsbruck gelaufen… ganz entspannt mit schönem Blick auf die Berge rund um Zirl aus Osten gesehen.

Nach ca. 15 Minuten kommt dann nach Martinsbühel, direkt unterhalb der Martinswand… vorbei an einer neuen Auffahrt, einem neuen Wegkreuz und auf einem kleinen Hügel gelegen. Vor dem „Eingang“ findet sich linkerhand bereits ein kleines Tor, das Blick auf einen dahinter liegenden Garten und eine Wiese bietet.

Vorbei an einem modernen Bauernhof mit freilaufenden Kühen und etwas de Hügel hinauf kommt bereits das Steinhaus ins Blickfeld.

Um 1700 waren der Palas der Burg, die danebenliegende St. Martins-Kapelle und die Burgmauer noch vollständig erhalten, aber weitere Bauten bereits zu Ruinen geworden. Heute ist ebenfalls noch der rechteckige romanische Palas der Burg voll erhalten, der aus regelmäßigen Steinlagen aufgemauert ist. Das Haus besitzt ein Krüppelwalmdach und unverputztes Hausteinmauerwerk; es stammt vermutlich aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Bemerkenswert ist das vermauerte Rundbogenportal im zweiten Geschoss der Südwand. An ihm sind auch verbaute romanische Fenster und ein doppelt gekehltes spitzbogiges Tor aus der Zeit von Erzherzog Sigmund dem Münzreichen zu sehen. Die Frontseite ist mit einem Doppeladler auf gelben Grund geschmückt. Von den alten Sperrmauern sind noch wenige Reste vorhanden.

Vorne rechts im Bild einer der vielen Kunstfiguren von Ferdinand Lackner, die sich überall auf dem Gelände befinden… Skulpturen aus Holz, Eisen und Stein. Ferdinand Lackner ist auch der jetzige Gutsverwalter.

Blick von Nordosten aus Richtung der ehemaligen Schule auf das Steinhaus und die daneben liegende Kapelle St. Martin

An der Stelle des spätrömischen Kastells Teriolis[1][2] und der einstigen Straßensperre[3] wurde im Frühmittelalter über der Ruine des Kastells eine Burganlage errichtet. 1290 belehnt Heinrich von Aufenstein damit den Ludwig von „sant Marteinsberg bei Zierlen“. Nach dem Aussterben der Edlen von Martinsberg fiel Martinsberg an den Landesfürsten Meinhard II. von Tirol. Ursprünglich war Martinsbühel als Witwensitz von Margarete Maultasch vorgesehen, diese hatte sich bei der Übergabe Tirols an die Habsburger 1363 neben Schloss Ambras und zwei Burgen in Südtirol auch St. Martinsberg behalten. Rudolf IV. von Habsburg verhinderte jedoch, dass Margarete Maultasch in Tirol verblieb. Im 15. Jahrhundert wurde daraus ein Jagdschloss für Herzog Friedrich mit der leeren Tasche bzw. von Erzherzog Sigismund dem Münzreichen. Auch von Kaiser Maximilien I. wurde das Jagdschloss weiter ausgebaut (Anlage eines Tiergartens, Stallungen, Wirtschaftsgebäude) und als Ausgangspunkt für Schaujagden in der Martinswand verwendet. Verwaltet wurde das Schloss meist durch adelige Lehensträger, so um 1450 durch das Geschlecht der Mentlberger.

Im 17. Jahrhundert wurden die Anlagen vernachlässigt und später auch von der Regierung verkauft. Der Benediktinerpater und Prior Edmund Hager (1826–1906) vom Kloster St. Peter, hatte die „Kinderfreunde-Benediktiner“ gegründet; er erwarb 1888 den Besitz der frühen Burganlage zur Errichtung eines Klosters mit dem Ziel, nach dem Vorbild Don Boscos eine Erziehungsanstalt und Ausbildungsstätte für Knaben zu errichten. In Martinsbühel wurde 1895 vorerst ein Lehrlingsheim eingerichtet, in dem als verwahrlost geltende Jugendliche im Schneider-, Schuster-, Schlosser- und Gärtnergewerbe ausgebildet wurden. Nach der Enteignung durch die Nationalsozialisten befand sich in Martinsbühel von 1938 bis 1945 eine Schule für „schwer erziehbare Kinder“, dann ein Heim für Südtiroler Auswanderer und ein Kriegsgefangenenlager.

Nach 1947 betrieben hier die Benediktinerinnen aus Scharnitz, die dem Mutterkloster Melchtal angehörten, in den Gebäuden ein konfessionelles Mädchenheim mit angeschlossener Sonderschule für geistig und körperlich behinderte Mädchen (Neubau der Schule 1988). Die Nonnen dieser Anstalt blieben nicht von Vorwürfen des körperlichen und sexuellen Missbrauches an den ihnen anvertrauten Kindern verschont.[4][5] Von 1985 bis zur Schließung im Juli 2008 blieb noch die einjährige Haushaltungsschule für Mädchen erhalten, die auch Mädchen aus anderen Bundesländern absolvieren konnten und die von den jeweiligen Jugendwohlfahrten der Bundesländer zugewiesen wurden. Aufgrund nicht ausreichender Anmeldungen wurde auch diese Einrichtung vollständig aufgelöst und Ende 2008 übersiedelten die letzten verbliebenen Klosterschwestern ins Benediktinerinnenkloster nach Scharnitz. Seitdem steht der Gebäudekomplex einschließlich der Schule – diese seit 2010 – weitgehend leer bzw. wird in Teilen von einem Gutsverwalter (dem Künstler Ferdinand Lackner[6]) bewirtschaftet und bewohnt.

Mich hat an dem Ort besonders fasziniert, das hier Mittelalter und Neuzeit aufeinander treffen und man aus allen Epochen Dinge entdecken kann. Und die Landschaft ist wunderschön, das Gelände gepflegt und die Gebäude haben definitiv etwas von lost place… eine nicht alltägliche Stimmung, die sich wirklich schwer beschreiben lässt. Nicht abgebildet habe ich übrigens hier das ziemlich unattraktive verlassene Gebäude der neueren Schule (auch schon länger leerstehend) im hinteren Teil des Geländes. Dieses entwickelt sich aber vielleicht wirklich mal zu einem coolem lost place.

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